Vorträge

Auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen

Prof. Dr. Ing. Sabine Flamme

FH Münster, Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Infrastruktur-, Ressourcen- und Stoffstrommanagement

Kernaussagen:
„Das anthropogene Lager in Deutschland wächst aktuell noch an. Die Herausforderung ist es sein, die Informationen über die Materialien zu erheben und Techniken zu entwickeln, die ein hochwertiges Recycling ermöglichen.“

„Ein großes Manko ist das unzureichende Know-how beim Rückbau von Bauwerken. Es reicht nicht nur, zu wissen, welche Baustoffe verbaut werden. Es ist auch wichtig zu wissen, wie sie verbaut werden. Das gilt insbesondere für die Verbundstoffe. Es ist oft unbekannt, wie sie verbunden sind, wie sie getrennt werden können und wie eine optimale Qualität im Hinblick auf ein hochwertiges Recycling erreicht werden kann. Wir wissen auch zu wenig darüber, welche Schadstoffe eventuell enthalten sind.  Da ist noch sehr viel Forschungsarbeit zu leisten.“

„Produktverantwortung gibt es bereits in vielen Bereichen, warum nicht auch in der Bauwirtschaft? Aus meiner Sicht müssen Hersteller ihre Produkte zu Ende denken und nicht nur auf Funktionalität und Design achten.“

„Ohne ordnungspolitische Regelungen wird es nicht gehen, auch Anreize und alternative Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel Leasing-Modelle sind nötig. Als Anreiz könnte zum Beispiel eine „Vorgabe von Einsatzquoten für Recycling-Stoffe“ dienen oder äquivalent zum Bereich Energieeinsparung Kreditvergaben, die den Aspekt Ressourcenschonung berücksichtigen.“

„Eine Bewertung von Gebäuden muss den Rückbau und die Entsorgung einbeziehen und die verwendeten Baustoffe müssen dokumentiert sein. Die Einführung von BIM (Building Information Modelling) bietet hierfür gute Ansätze.“

„Auch der Rückbau muss Bestandteil der Planungsleistung sein. Mit trennbaren Materialien, monolithischen und modularen Bauweisen zum Beispiel wäre die Durchführung von Recyclingprozessen sehr viel einfacher.“

„Es gibt bereits sehr viele rechtliche Vorgaben, wie mit Bauprodukten umgegangen werden soll und wie Recycling im Baubereich vorangetrieben werden kann. Was ich jedoch vermisse, ist die Konsequenz in der Umsetzung.“

„Geschlossene Kreisläufe herzustellen ist möglich. Aber hierfür müssen alle Beteiligten – Hersteller, Planer, Rückbauer, Entsorger, Wissenschaft und Forschung – interdisziplinär zusammenarbeiten und ihre Kompetenzen einbringen.“